Landwirtschaftliche Gänsehaltung

Die Diepholzer Gans ist ihrem Bau und Aussehen nach stark mit der Graugans verwandt und
stammt aus dem Norden Deutschlands (Grafschaft Diepholz). Sie wurde vor dem 2. Weltkrieg zu Tausenden auf wenig fruchtbaren Gemeindegründen z.B. Wiesenmooren geweidet, auf denen man kaum andere Tiere halten konnte. Es entstand eine leichte und widerstandsfähige Landrasse, deren Fleischansatz geringer ist als derjenige ihrer grösseren Verwandten. Dafür hat sie die Vorteile, dass sie
wenig aggressiv gegenüber Artgenossen, anspruchslos und «Gelände-gängig» ist, weshalb sie auch zur Pflege von Obstanlagen, Bachläufen und sumpfigem oder hügeligem Gelände gehalten wird.

Wer Gänse halten möchte, sollte daran denken, dass es sich nicht nur um schöne, sondern auch um wehrhafte Tiere handelt, welche sich gemeinsam gegen Feinde verteidigen. Während der Brut und des Führens der Jungen können die Eltern auch den Tierhalter bedrohen und mit dem Schnabel und den Flügeln schmerzhafte Angriffe ausführen. Der Aggressivität kann man etwas vorbeugen, indem man beim Kauf auf den Charakter der Tiere achtet.

Gänse sind Weidetiere
Obwohl Gänse zur Ordnung der Schwimmvögel gehören, halten sie sich vor allem auf dem Lande
auf. Dort finden sie auch ihre Nahrung, nämlich Gräser und Kräuter. Im Gegensatz zu Enten fressen Gänse keine Schnecken, Kaulquappen und andere Kleintiere; sie ernähren sich rein vegetarisch. Für ein Paar Gänse benötigt man ungefähr 300 m2 Weidefläche. Um die Weide sauber zu halten und um Futtervergeudung vorzubeugen, unterteilt man die Weide am besten in einzelne Parzellen und mäht sie mit Vorteil gelegentlich nach. Gänse nehmen sehr viel Gras auf. Man sagt, dass drei Gänse soviel wie ein Schaf fressen!

Hausgänse fliegen kaum noch, doch keine Regel ohne Ausnahme! Die Flugfähigkeit hängt nicht nur von der Rasse, sondern auch davon ab, wie schwer die Tiere sind. Man sollte sich beim Kauf erkundigen, ob die Gans über den Zaun fliegt. Ein Kupieren der Flügel, wobei ein Teil des Flügelknochens abgetrennt wird, ist eine Verstümmelung des Tieres und insbesondere bei Haustieren nicht zu rechtfertigen, da man diesen die Flügel stutzen kann, ohne sie in Schrecken zu versetzen.

Der Zaun sollte so beschaffen sein, dass sich die Tiere nicht daran verletzen. Gut eignet sich ein flexibler, engmaschiger Hühnerzaun. Auf Kunststoff-Netze sollte man bei Jungtieren verzichten, da sich diese darin verfangen und kläglich umkommen können. Gänse und vor allem Jungtiere hält man mit Vorteil in der Nähe des Wohnhauses, sodass man eingreifen kann, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht.

Badegelegenheit
Obwohl Gänse den grössten Teil des Tages auf festem Boden verbringen, suchen sie nicht nur
im Sommer, sondern auch im Winter täglich eine Badegelegenheit auf, welche deswegen
zu einer tiergerechten Gänsehaltung gehört. Im Sommer bei warmen Umgebungstemperaturen dient das Baden auch der Wärmeabgabe. Beim Baden fühlen sich die Gänse wohl. Das Bad hilft ihnen, ihr Gefieder und ihre Augen sauber zu halten. Schwere Gänserassen (über ca. 8 kg Körpergewicht) sind zur Paarung auf 40 – 60 cm tiefes Wasser angewiesen. Dort können die Gänse auch das Paarungsspiel durchführen. Zum Baden wird nicht unbedingt ein Teich benötigt; auch ein Bassin aus Kunstfaser genügt den Ansprüchen der Gänse.

Wichtig ist allerdings, dass die Gänse über eine flache Rampe in das Bad gelangen. Diese
muss unbedingt so beschaffen sein, dass die Gänse über die Rampe wieder «aussteigen»
können. Insbesondere, wenn das Bassin nicht bis zum Rand gefüllt ist, gelingt es den Gänsen
nicht, über den Bassinrand zu gelangen, so dass selbst ausgewachsene Tiere ertrinken, wenn ihnen niemand hilft.

Solange Gänse Jungtiere führen, sollte man flache Becken verwenden, welche vom Boden bis zum Rand nicht höher als etwa 5 cm sind, damit die Gössel darüber steigen können. Es nützt bei Jungtieren nichts, wenn man einen hohen Beckenrand mittels einer Rampe überbrückt, da diese versuchen, auf dem schnellsten Weg zu ihrer Mutter zu gelangen und nicht verstehen, dass sie dazu einen Umweg
über die Rampe machen müssen. Da Gänse häufig im Wasser Kot absetzen, sollte das Wasser in einem Behälter alle paar Tage erneuert werden. Auf einem Bauernhof kann das gebrauchte Wasser wie Gülle zur Düngung verwendet werden.

>> Tierschutzrichtlinien

Die Fütterung
Die anspruchslose Diepholzer Gans kann sich praktisch nur von Gras und Nebenprodukten der Müllerei (Grüsch) ernähren. Letztere sollten jedoch fein gemahlen sein, da sie sonst im Hals kratzen. Möchte man die Mast beschleunigen, dann füttert man Getreideflocken zu. Achtung! Gänse mögen kein Fischmehl, denn sie sind – wie erwähnt – Vegetarier. Das Futter verabreicht man den Tieren am besten in Form von Flocken oder Pellets. Mehlförmiges Futter sollte man anfeuchten und als Brei zur Verfügung stellen. Wer Gänse mästet, muss dafür je nach Rasse und Art der Fütterung 5-6 Monate einrechnen.

Der Stall
Der Stall kann sehr einfach sein; denn die Gänse verbringen in der Regel dort nur die Nacht und die Brutzeit. Er muss in der Nacht unbedingt so verschlossen werden, dass weder Fuchs noch Marder eindringen können. Der Stall muss nicht unbedingt isoliert sein, da Gänse ein warmes Daunenkleid haben, aber im Stall darf es keinen Durchzug geben. Auf einem Bauernhof eignen sich leer-stehende Ställe oder Stallteile für die Unterbringung von Gänsen. Es müssen ein eingestreuter Platz vorhanden sein, wo die Tiere liegen können, sowie Futtervorrichtungen, ein Tränkebecken und ein geschützter Nestplatz (z.B. eine alte Hundehütte). Im Sommer bietet ein gemauerter oder isolierter Stall einen kühlen Ruheort.

Die Brut
Gänse haben einen starken Bruttrieb. Die natürliche Brut kommt deswegen ihrem Verhalten entgegen. Die Gans baut sich etwa im Februar an einem geschützten Ort ein Nest. Dafür kommt in
einem nicht Fuchs- und Marder- sicheren Gehege nur der verschliessbare Stall in Frage. Der Tierhalter bzw. die Tierhalterin muss unter Umständen die Wahl des Nestplatzes steuern. Wer die Eier künstlich ausbrüten lässt, muss die Jungen nicht separat aufziehen, sondern kann sie zu einer «Pflegemutter» geben. Eine Pflegemutter wird die Jungen nur dann adoptieren, führen und verteidigen, wenn sie selbst keine eigenen Jungen hat. Künstliche Bruten benötigen eine Wärmelampe, da eine Gans die Jungen nachts nur dann mit den Flügeln zudeckt, wenn sie die Eier selbst bebrütet hat. Die älteren Gänse nehmen die Gössel in die Grossfamilie auf und verteidigen sie bei Gefahr, indem sie einen Kreis um sie bilden.

Gesundheitsvorsorge
Sauberkeit im Stall, auf der Weide und im Bad beugt den meisten bakteriellen Krankheiten der Gänse vor. Mindestens einmal jährlich sollte man bei den Zuchttieren eine Wurmkur durchführen. Eine für Jungtiere gefährliche Krankheit ist die Salmonellose, welche auch auf den Menschen übertragen werden kann. Wichtig ist die Sauberkeit in den Legenestern! Die Menschen, welche mit Wasservögeln umgehen, sollten sich und ihren Kindern nach dem Kontakt mit den Gänsen gründlich die Hände waschen. Nicht nur kranke, sondern auch gesunde Gänse, welche die Krankheit überlebt haben, scheiden die Krankheitserreger aus. In der Stallapotheke sollten ein Desinfektionsspray und ein Wundverband vorhanden sein sowie Medikamente gegen Federlinge (z.B. Farmspray).

Zeitaufwand
Gänse benötigen wenig täglich wiederkehrende Arbeit. Sie sind meist den ganzen Tag im Freien und sind eher «pflegeleicht». Die Tierhalterin oder der Tierhalter muss sich in regelmässigen Abständen Zeit nehmen für die Pflege der Weide, das Verstellen der Badegelegenheit und das Auswechseln des Wassers. Wie bereits beschrieben sind für die Gänsehaltung keine grossen Investitionen notwendig.

Freude am Tier
Wer Gänse halten möchte, sollte vor allem Freude an den Tieren haben und abklären, welche Eigenheiten die Tiere haben und ob sie zu einem passen. Man muss sich ausserdem fragen, ob man genügend Zeit und Platz für die Tiere hat und ob man sich gegenüber den manchmal aggressiven Tieren durchsetzen kann. Auch die Nachbarschaft sollte man nicht vergessen; denn manche Gänsearten können viel Lärm machen z.B. wenn häufig fremde Leute vorbeikommen.

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